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Der ganze Kosmos und damit auch sämtliche Organe und physiologischen Vorgänge unterliegen dem relativen Gleichgewicht von Yin und Yang. Die beiden polaren Kräfte, so zeigt das uralte Mandala, sind hier ausgewogen und tragen jeweils den anderen Pol in sich. Wenn das helle und heisse Yang aber die Übermacht gewinnt, zieht sich das dunkle und kalte Yin zurück. Das kann der Beginn einer Krankheit sein. Ein Yang-Überschuss zeigt sich etwa durch ein rotes Gesicht, schnellen Puls und Unrast. Er sollte durch Yin-Massnahmen (z.B. Meditation) gekühlt werden. Ein Yin-Überschuss geht einher mit Symptomen wie Blässe, kalten Extremitäten und verlangsamtem Puls. Bei niedrigem Blutdruck und Antriebsschwäche beispielsweise helfen also Yang-Mittel (z.B. Bewegung und heisse Nahrungsmittel), empfehlen chinesische Ärzte. Wer Yin und Yang begriffen hat, der hat die ganze Medizin begriffen. So heisst es im Klassiker der innern Medizin. Diese pauschale Aussage mag zwar überspitzt tönen, doch ist sie im Kern richtig. Für die klinische Praxis bilden Yin und Yang einen ersten Raster, der ganz prinzipiell das Therapiekonzept festlegt. Wir finden diesen Raster wieder in der Diagnostik, wo dann weiter differenziert wird, ob es sich um eine oberflächliche (akute) oder tiefe (chronische) Erkrankung, um eine Kältekrankheit (verlangsamter Prozess) oder um eine Hitzekrankheit (beschleunigter Prozess), um einen Fülleprozess (Überbelastung des Systems) oder um einen Leereprozess (Defizienz) handelt. Letztlich ergibt sich schon daraus die Therapie der Wahl, denn nicht jede Methode der TCM vermag jede Störung zu beheben. Leereprozesse sind beispielsweise der Akupunktur nur schwer zugänglich, während ihre Domäne Füllekrankheiten in jeder Form sind.
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